Geht euch das auch so? (Wann man zaubern sollte und wann nicht)
Hallo zusammen.
Einfach mal eine kleine Reflexion.
Im Familienkreis (nicht von allen, aber von einigen) kriege ich oft zu hören, dass ich nur zaubere, weil ich mich in den Mittelpunkt spielen will – und das stimmt einfach nicht. Was ich eigentlich möchte, ist Staunen und Freude zu verbreiten mit etwas, das mich so viele Jahre meines Lebens gekostet hat und dem ich täglich mehrere Stunden intensives Studium widme. Mir ist klar, dass nicht jeder Zauberkunst mögen muss, aber es macht mich schon etwas traurig, dass ich meine Begeisterung und meine Magie nicht mit ihnen teilen kann.
Es wirkt fast so, als wäre Kunst keine richtige Kunst mehr, sobald man kein Geld damit verdient.
Ich hoffe, ich kann das irgendwie ändern. Ist euch das auch schon mal passiert? Wie seid ihr damit umgegangen?
Viele Grüße
Hallo David,
Ich zaubere schon seit langem nicht mehr, es sei denn, ich werde im Bekanntenkreis direkt darum gebeten. Wenn ich Lust habe, bringe ich das Thema Zauberei einfach mal zur Sprache und warte ab, bis sie mich darum bitten – was meistens auch klappt. Oder ich hole ein Deck raus und fange an zu spielen... eben diese typischen kleinen Kniffe, um sie dazu zu bringen, danach zu fragen. Vor Jahren habe ich mal in einer Bar eine spontane Performance auf einem Billardtisch hingelegt, nachdem mich ein paar Leute mit dem Kartenspiel gesehen hatten. Aber ich möchte eigentlich immer, dass der Wunsch von ihnen kommt, auch wenn ich vielleicht den Anstoß gegeben habe. Wenn ich mal richtig Bock habe oder für eine Party etwas vorbereite, deute ich das vorher manchmal an, um die Neugier zu wecken, und checke die Reaktion ab. Wenn ich merke, dass keine Lust da ist, kann ich es immer noch „vergessen“ und die Sache auf sich beruhen lassen. Kein Ding.
Und genau darum geht es ja: dieses typische Vorurteil von wegen „Da ist er wieder mit seinen Karten“ (als Beispiel) zu vermeiden, das besonders am Anfang aufkommt, wenn man seinen Freunden damit ein bisschen auf den Wecker geht. Zu meiner Uni-Zeit – meiner aktivsten Phase – habe ich versucht, mich auf verschiedene Freundeskreise aufzuteilen, um niemanden zu sehr zu strapazieren... aber meine alten Kumpels hatte ich damals so dermaßen genervt, dass die Leute schon die Flucht ergriffen haben, sobald ich nur das Deck gezückt habe, haha. Selbst heute zaubere ich fast nie für sie.
Schon in Canutos "Cartomagia Fundamental" wird davor gewarnt, Familie und Freunde mit jedem neuen Trick, den man lernt, zu nerven 😅
Gestern war ich mit Freunden essen und sie haben von sich aus gefragt, ob ich ihnen etwas zeigen kann... Da sie den letzten Clip, den ich auf IG hochgeladen habe (ich hatte ihn in einem anderen Thread gepostet), gesehen haben, wollten sie unbedingt, dass ich den vorführe... Ich habe ihnen dann noch einen anderen gezeigt 😂 und danach wollten sie immer mehr.
Ich glaube wirklich, dass das einfach ganz natürlich kommen muss.
Ich zaubere jetzt schon seit meinem 14. Lebensjahr und bin mittlerweile 46. Ich habe mich intensiv mit der Präsentation von Kunststücken auseinandergesetzt und lege großen Wert darauf, dass wir alle gemeinsam Spaß haben.
Ich zeige am liebsten sehr interaktive und humorvolle Effekte. Hier sind ein paar Beispiele:
Das Spielzeugauto, das auf der gewählten Karte stoppt
Das Unsichtbare Deck
Die vier Räuber
Card Toon
Die Zuschauer sind immer voll dabei, selbst bei den technisch anspruchsvolleren Effekten.
Dann gibt es die Leute, die mich seltener sehen – die haben immer richtig viel Spaß an dem, was ich ihnen zeige.
Zu Hause bittet mich eigentlich nie jemand darum, ein Kunststück vorzuführen. Wenn dann aber mal Freunde oder Verwandte da sind und mich nach einem Trick fragen, haben sie sichtlich Spaß und sagen: „Das Kunststück habe ich ja noch nie von dir gesehen!“ ... Na klar, du hattest bisher ja auch einfach kein Interesse daran.
Der einzige Weg ist zu versuchen, sie in das Kunststück einzubinden, anstatt es als Herausforderung oder Kräftemessen zu präsentieren. Wenn sie dir das sagen, baust du die Effekte vielleicht einfach falsch auf – ich weiß es nicht, das müsste ich mir mal anschauen.
Oft nimmt der Zuschauer eine Abwehrhaltung ein, weil er glaubt, dass du ihn auf den Arm nehmen, reinlegen, für dumm verkaufen oder lächerlich machen willst. Er sieht das Kunststück dann als Herausforderung – als ein Spiel, bei dem einer gewinnt und der andere verliert.
Ich habe gerade erst eine Version von „Kümmelblättchen und der Großvater“ hochgeladen, in der ich genau darüber reflektiere.
Zauberkunst soll anderen Freude bereiten und uns staunen lassen... Das Problem entsteht, wenn die Zuschauer es als Herausforderung für ihren Intellekt sehen. Manchmal liegt das an der Persönlichkeit des Zuschauers selbst, und manchmal ist es unsere eigene Schuld, weil wir das Kunststück nicht richtig präsentieren.
Deshalb versuche ich persönlich bei Treffen wie einem Abendessen mit Freunden, Kunststücke zu zeigen, bei denen sie maximal mitwirken können. Ich überlasse ihnen die Hauptrolle und leite sie im Grunde nur an.
Aber klar, man trifft auch auf Leute, die sich absolut null für Zauberkunst interessieren und dich sabotieren wollen. Ignoriere diesen Zuschauer dann einfach komplett.
Nicht jeder interessiert sich für Zauberei. Meiner Familie zum Beispiel ist das völlig egal; ich frage sie schon gar nicht mehr und erwarte auch nicht, dass sie mich darum bitten. Ich zeige meistens eher was, wenn ich auf ein Bier unterwegs bin und die Bedingungen passen – aber ohne den Leuten auf die Nerven zu gehen. Das Wichtigste ist schließlich nicht der Trick, sondern die Performance, und dass nach Möglichkeit die Zuschauer im Mittelpunkt stehen.
Oft hat man echt Lust, das Handtuch zu werfen, wenn man sieht, wie viel Geld und Kohle man dafür verpulvert.
Echt so, ich nehm ein Stativ oder meine Frau filmt mich manchmal, hehe.